Für viele IT-Verantwortliche im Mittelstand war es ein unangenehmer Moment: Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom lagen bei der nächsten Vertragsverlängerung Angebote vor, bei denen sich die Kosten verdoppelt, verdreifacht oder noch stärker erhöht hatten, für dieselbe Leistung. Was jahrelang die Standard-Plattform für Servervirtualisierung war, ist damit für viele Betriebe zum Budgetthema geworden.
Die gute Nachricht: Es gibt ausgereifte Alternativen, und für einen Großteil der KMU-Anwendungsfälle sind sie nicht nur günstiger, sondern auch souveräner. Dieser Beitrag ordnet sachlich ein, was sich geändert hat, wann ein Umstieg sinnvoll ist und welche Alternative zu welcher Ausgangslage passt, damit Sie eine fundierte, herstellerneutrale Entscheidung treffen können.
Was sich mit Broadcom geändert hat
Broadcom hat das Geschäftsmodell von VMware grundlegend umgebaut. Die für KMU schmerzhaftesten Punkte:
- Nur noch Abonnements: Broadcom verkauft keine unbefristeten Lizenzen mehr: Wer neu kauft oder verlängert, mietet dauerhaft. Bestehende Perpetual-Lizenzen bleiben zwar nutzbar, verlieren aber Support und Updates.
- Radikal vereinfachtes Portfolio: Aus tausenden Einzelprodukten wurden wenige große Bündel, oft mit Funktionen, die man gar nicht braucht, aber mitbezahlt.
- Deutliche Preissprünge: Fachpresse und Analysten berichten, je nach Konstellation und Verhandlungsposition, von einer Verdopplung bis Vervielfachung der Kosten. Kleine und mittlere Kunden trifft es besonders, weil ihnen die Marktmacht großer Abnehmer fehlt.
Unterm Strich zahlen viele Betriebe heute ein Vielfaches, für eine Infrastruktur, die technisch unverändert ist. Das allein ist Grund genug, die eigene Virtualisierung auf den Prüfstand zu stellen.
Lohnt der Umstieg? Eine ehrliche Einordnung
Ein Wechsel der Virtualisierungsplattform ist kein Selbstläufer und will überlegt sein. Als Orientierung:
- Bleiben kann sinnvoll sein, wenn Sie tief in spezialisierte VMware-Funktionen investiert haben, hochkomplexe Umgebungen betreiben und die Preiserhöhung (noch) verkraftbar ist.
- Wechseln lohnt sich, wenn Ihre Umgebung überschaubar ist (typisch für KMU), die neuen Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen und ohnehin eine Vertragsverlängerung oder Hardware-Erneuerung ansteht.
Der beste Zeitpunkt für die Entscheidung ist vor der nächsten Verlängerung, nicht unter Zeitdruck kurz davor. Wer früh plant, migriert in Ruhe statt unter Zeitdruck. Ähnlich wie beim Windows-10-Support-Ende ist Kostendruck oft der willkommene Anlass, eine ohnehin fällige Modernisierung anzugehen.
Die Alternativen im Vergleich
Es gibt nicht die eine richtige Alternative, sondern mehrere, je nach Ausgangslage:
| Kriterium | Proxmox VE | Hyper-V | Nutanix / andere |
|---|---|---|---|
| Lizenzmodell | Open Source, optionales Support-Abo | in Windows-Server-Lizenz enthalten | kommerziell, je nach Anbieter |
| Kosten | niedrig, planbar | meist lizenzabgedeckt | mittel bis hoch |
| Souveränität | hoch (Open Source, EU/Österreich) | Microsoft-Ökosystem | herstellerabhängig |
| Passt für | breites KMU-Spektrum | Microsoft-geprägte Umgebungen | größere/spezielle Setups |
Proxmox VE
Die Open-Source-Plattform aus Österreich hat sich zur naheliegenden VMware-Alternative für den Mittelstand entwickelt. Sie ist kostenfrei nutzbar; für Stabilität und Support gibt es ein optionales Abo, abgerechnet pro physischem CPU-Sockel und Jahr (Stand 2026: Community rund 120 €, Basic rund 370 €, Standard rund 550 €, Premium rund 1.100 € netto; die Anzahl der Kerne spielt keine Rolle). Für viele Betriebe liegt der Support-Aufwand damit um ein Vielfaches unter den neuen VMware-Konditionen. Als Open-Source-Lösung stärkt Proxmox zugleich Ihre digitale Souveränität.
Hyper-V
Für Umgebungen, die ohnehin stark auf Microsoft setzen, ist Hyper-V oft die pragmatischste Wahl: Der Hypervisor (die Software, die mehrere virtuelle Server auf einer physischen Maschine betreibt) ist in der Windows-Server-Lizenz bereits enthalten. Wichtig ist aber die Einschränkung: Für dichte Virtualisierung braucht es in der Regel die Datacenter-Edition statt Standard, dazu die passenden Zugriffslizenzen (CALs). „Schon bezahlt" gilt also nur teilweise. Hinzu kommt eine engere Bindung an das Microsoft-Ökosystem.
Weitere Optionen
Für größere oder spezielle Anforderungen kommen Plattformen wie Nutanix AHV oder OpenShift Virtualization in Frage. Sie bieten mehr Enterprise-Funktionen, sind aber auch aufwendiger und teurer, für das typische KMU meist überdimensioniert.
Ein Kostenbeispiel zur Orientierung
Nehmen wir einen typischen Server mit zwei CPU-Sockeln:
| Position | VMware (Abo, nach Broadcom) | Proxmox VE (Basic-Support) |
|---|---|---|
| Kosten pro Jahr | grob 4.000 bis 8.000 €+ (Lizenz-Abo) | rund 740 € (2 Sockel × ~370 €) |
| Was ist enthalten? | Software-Lizenz zur Miete | Support/Updates: Die Software selbst ist kostenfrei (Open Source) |
| Preisrisiko | einseitige Erhöhungen möglich | planbar |
Fairerweise vergleicht die Tabelle hier ein Lizenz-Abo (VMware) mit reinen Supportkosten (Proxmox): Die Proxmox-Software ist Open Source und an sich kostenfrei. Die Zahlen sind bewusst als Orientierung zu verstehen (Stand 2026); der konkrete Vergleich hängt von Ihrer Umgebung ab. Entscheidend ist die Gesamtkostenbetrachtung über mehrere Jahre inklusive Migration und Support, nicht der reine Listenpreis. Rechnen Sie auch die weichen Faktoren mit: die einmaligen Migrationskosten, die Einarbeitung Ihres Teams und (auf der Habenseite) die zurückgewonnene Planungssicherheit, wenn Sie nicht mehr von den Preissprüngen eines einzelnen Anbieters abhängig sind. Eine strukturierte Kostenbetrachtung unterstützen wir im Rahmen von IT-Kosten senken.
In fünf Schritten zur Migration
- Ist-Analyse: Erfassen Sie Ihre virtuellen Maschinen, deren Ressourcenbedarf und Abhängigkeiten. Das ist die Grundlage jeder Planung.
- Zielplattform festlegen: Proxmox, Hyper-V oder etwas anderes, abhängig von Ökosystem, Budget und Souveränitätsanspruch.
- Testmigration: Ziehen Sie zunächst eine unkritische VM um und sammeln Sie Erfahrung, bevor es an die produktiven Systeme geht.
- Rollout in Etappen: Migrieren Sie geplant und mit Wartungsfenstern, nicht alles auf einmal.
- Backup und Notfall prüfen: Stellen Sie sicher, dass Datensicherung und Wiederherstellung auf der neuen Plattform sauber funktionieren, idealerweise getestet.
Wie eine robuste Grundlage dafür aussieht, zeigen wir in unseren Beiträgen zu Serverlösungen für KMU, skalierbarer Netzwerkinfrastruktur und zur IT-Modernisierung im Mittelstand.
Was der Umstieg technisch bedeutet
Ein Plattformwechsel ist beherrschbar, wenn man weiß, worauf es ankommt. Drei Punkte entscheiden über einen reibungslosen Verlauf:
- VM-Konvertierung: Bestehende virtuelle Maschinen lassen sich in aller Regel in das Format der Zielplattform überführen. Für gängige Systeme gibt es dafür etablierte Werkzeuge, etwa den in Proxmox integrierten Import-Assistenten für VMware/ESXi, das Werkzeug
virt-v2voder den Import über OVF/OVA-Dateien. Kniffliger wird es bei sehr speziellen oder sehr alten Gastsystemen (den einzelnen virtuellen Maschinen). Genau die gehören zuerst in die Testmigration. - Backup mitdenken: Proxmox etwa bringt mit dem Proxmox Backup Server eine eigene, effiziente Sicherungslösung mit. Der Wechsel ist ein guter Anlass, das gesamte Backup-Konzept auf den Prüfstand zu stellen, statt nur das alte nachzubauen.
- Ausfallzeiten planen: Die eigentliche Umschaltung einer VM braucht ein kurzes Wartungsfenster. Mit sauberer Planung und einem Rollout in Etappen bleibt die Beeinträchtigung für den laufenden Betrieb gering.
Genauso wichtig wie die Technik ist der Faktor Mensch: Ihr Team (oder Ihr Dienstleister) sollte die neue Plattform sicher beherrschen. Wer den Umstieg begleitet angeht, tauscht das Kostenrisiko von VMware nicht versehentlich gegen ein Betriebsrisiko ein.
Häufige Stolpersteine
Aus der Praxis lassen sich einige typische Fehler benennen:
- Support und Know-how unterschätzt: Open Source spart Lizenzkosten, verlagert aber Verantwortung. Wer keine eigene Expertise hat, braucht einen verlässlichen Partner.
- Backup-Strategie vergessen: Eine neue Plattform braucht ein passendes, getestetes Backup-Konzept, siehe NAS oder Cloud-Speicher.
- Funktionsunterschiede übersehen: Snapshots (Momentaufnahmen einer VM), Live-Migration (Umzug einer VM im laufenden Betrieb) oder Hochverfügbarkeit (automatische Ausfallsicherheit) funktionieren je Plattform unterschiedlich. Prüfen Sie, was Sie wirklich brauchen.
- Vertragsfristen verpasst: Kündigungs- und Verlängerungsfristen bei VMware im Blick behalten, sonst verlängert sich das teure Abo automatisch.
Häufige Fragen
Ist Proxmox „nur" etwas für Technik-Enthusiasten? Nein. Als betreute Lösung mit optionalem Support-Abo (inklusive garantierter Reaktionszeiten/SLA) ist Proxmox produktionsreif und wird längst in Unternehmen jeder Größe eingesetzt.
Verliere ich mit dem Umstieg Funktionen? Für typische KMU-Workloads in aller Regel nicht. Spezielle Enterprise-Features sollten Sie im Einzelfall abgleichen; das gehört in die Ist-Analyse.
Wie aufwendig ist die Migration? Das hängt von Anzahl und Komplexität der VMs ab. Mit Testmigration und Etappen-Rollout bleibt der Aufwand beherrschbar und der Betrieb stabil.
Was passiert mit unserem vorhandenen VMware-Know-how? Vieles ist übertragbar: Konzepte wie Cluster, Live-Migration oder Snapshots gibt es auch bei den Alternativen, nur mit anderen Werkzeugen. Die Einarbeitung ist überschaubar, und mit einem Partner an der Seite müssen Sie sie nicht allein stemmen.
Fazit
Die Preispolitik nach der Broadcom-Übernahme macht aus einer reinen Technikfrage eine wirtschaftliche: Für viele KMU ist VMware schlicht zu teuer geworden, gemessen am tatsächlichen Bedarf. Proxmox VE ist für einen Großteil der Fälle die naheliegende, günstigere und souveränere Alternative; wo Microsoft dominiert, ist Hyper-V meist über vorhandene Lizenzen weitgehend abgedeckt. Wichtig ist, die Entscheidung mit Ruhe und einer sauberen Ist-Analyse zu treffen, nicht getrieben von der nächsten Rechnung.
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